Moderne Kaffeefahrten – SEO und SMO für Dumme?

Bericht einer Teilnehmerin 14.03.2013 Internetauftritt und Soziale Netzwerke für kleine und mittlere Unternehmen; Infoveranstaltung in Hof

Ähnlich der beliebten Kaffee- oder Butterfahrten auf denen die Veranstalter den Teilnehmern jeden erdenklichen und überteuerten Schund andrehten, finden heute sogenannte Online- Marketingvorträge statt. Besonders peinlich wird es allerdings, wenn solche Events mit Fördergeldern unterstützt werden und dann auch noch falsches Wissen oder nur halbe Wahrheiten im Bereich Webpräsenz, SEO und Socialmedia für die Teilnehmer, die ja ohnehin nur (dumme?) Handwerker und Kleinunternehmer sind, vermitteln.


Typisch deutsch- was einmal war, ist immer gut?

Sie nennen sich „eBusiness-Lotse Oberfranken“ und sind Teil des „Förderprojektes ‚Mittelstand Digital‘ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie“. Eigenen Aussagen zufolge fühlen sie sich berufen, im Rahmen der Initiative “eKompetenz-Netzwerk für Unternehmen” Klein- und Mittelständische Unternehmen, sowie Handwerksbetriebe im Bereich Informations- und Komunikationstechnologie praxisnah und anbieterneutral zu unterstützen. Ihre Informationsveranstaltungen sind immerhin kostenlos, so scheint es den Teilnehmern zumindest auf den ersten Blick. Die für den 14.03.2013 in Hof geplante Informationsveranstaltung zum Thema „Internetauftritt und Soziale Netzwerke“ hätte für die Zielgruppe mit Sicherheit interessant werden können. Als Sprecher wurden Thomas Hörner und Andreas Kücker offeriert. Beide verfügen über mehr als 10 Jahre Erfahrung im Onlinemarketing und genau das merkt man ihnen auch an.

Während Hörner vor mehr als 15 Jahren mit seinem Buch „Marketing im Internet“ noch so manchen Webneuling begeistern konnte, mutiert er anscheinend mittlerweile zum Roberto Blanco der Webszene. Fröhlich tingelt er von Vortrag zu Vortrag und vergisst den Zuhörern dabei zu erzählen, dass sich in den letzten 15 Jahren so einiges im WWW getan hat. Ein wenig planlos wirkten nicht nicht nur die Redner, sondern auch die Veranstalter. Neben Fremdworten wie Metatext wurden den Zuhörern auch noch einige gefühlte 100 Jahre alte Tipss zur Auffindbarkeit der eigenen Webseite mit auf dem Weg gegeben. Darunter fanden sich zahlreiche Varianten wie, Eintragungen in kostenpflichtige Webkataloge, Selbstlob auf Bewertungsportalen und so weiter. Darauf, dass sich Suchmaschinen auch in den letzten Jahren verändert haben und man schon nach bestimmten Richtlinien eine Suchmaschinenoptimierung der Webauftritte durchführen sollte, wurde nicht hingewiesen. Vielleicht wollte man den kleinen Handwerker mit solch unnötigem Wissen auch nicht belasten. Ratschläge wie, „fotografieren Sie doch einfach mal Ihre Mitarbeiter und bauen sie das auf ihre Webseite ein“ oder „geben Sie doch einfach Referenzen auf der Seite ein, dann kommen die Kunden von allein“ sind nicht nur blödsinnig, sondern können jedem Webseitenbetreiber auch teuer zu stehen kommen.

Der einzige Zweck der Veranstaltung dürfte einem spätestens ab dem Zeitpunkt klar geworden sein, als Listen die Runde machten, auf denen man sich eintragen konnte für Newsletterempfang und co. Es gibt eben nichts mehr umsonst. Auf die Frage an einen offensichtlich zum Veranstalterteam der eBusiness-Lotsen gehörenden Anwesenden, warum der Speaker da vorn so einen veralteten Blödsinn labert und die Zuhörer nicht auf die ständigen Veränderungen der Suchmaschinen und Googleupdates hinweist gab es ein verblüfftes Schulterzucken. Auch von Pinguin und Panda hatte der eBusiness-Lotse noch nie etwas gehört. Spätestens jetzt wurde es Zeit die Veranstaltung zu verlassen.

Gute Absichten auf der einen Seite, Notwendigkeiten auf der anderen. Das Internet ist einer der größten Profilierungsplattformen. Leider nicht nur für Unternehmer, sondern auch für selbsternannte Experten, die seit Jahren vom Ruhm vergangener Jahre leben.